Endo`s Tipps und Tricks – Starten und Landen

Ein herzliches Habidere vom Neusiedler See, dem österreichischen Epizentrum für Wassersport bedingt durch Wind der großräumig aus einer Wetterlage entsteht.

Heute geht’s in diesem Beitrag, wie die Überschrift schon verrät, um Tipps und Tricks zum Starten und Landen eines Kites.
Dabei gehe ich aber NICHT auf die grundlegende Theorie zur Materie aus euren Unterlagen zum Kitekurs ein, sondern vielmehr auf Information die vielleicht nicht Allen geläufig und klar ist.

Wenn es Unklarheiten gibt: die Grundlagen schön formuliert

das Zeichen zum Starten des Kites

das Zeichen zum Starten des Kites

Die übliche Start- und Lande-Prozedur ist im Sommer, wenn die Strände übervölkert mit Kitesurfern sind, für die meisten etwas trivial Alltägliches.

Anfänger sollten zuerst ausreichend Schirm Kontrolle im Wasser erlangen um ihren Kite am Strand sicher starten und landen zu können. Dabei handelt es sich um keine festgesetzte normierte Regel, das sollte schon aufgrund der individuellen Macht des Selbsterhaltungstriebes Vorraussetzung sein. Natürlich kommt es weiters auf die Beschaffenheit am Strand an. Habt Ihr viel Platz im Lee? Windabdeckungen und Windverwirbelungen?

Sehr oft fällt mir am Strand auf, dass es auch sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Sportlern im Umgang mit dem Kite, zu Beginn und gegen Ende der Session, gibt.

Vor ein paar Tagen hab ich einem mir unbekanntem Kollegen Starthilfe gegeben, der den Schirm vehement zu tief aus dem Windfenster starten wollte während es mich mit dem Schirm ständig nach Luv drückte. Erst nach sehr viel Kommunikation konnten wir seinen Schirm richtig am Windfensterrand positionieren um ihm einen sicheren Start zu gewährleisten.

 

Helfen ist immer eine gute Sache und sollte für uns Alle selbstverständlich sein, aber man macht es sich und Anderen auf jeden Fall leichter wenn man diese „Überlebens-Prüfung“, möglichst einfach überlegt risiko- und reibungslos, quasi als „Dream-Team“ mit seinem Starthelfer gemeinsam, hinter sich bringt. Darüber Hinaus schaffen freundliche Umgangsformen und Gesten ein positives und angenehmes Klima am Strand.

Zur Erinnerung; beim Starten und Landen an Land passieren die meisten Unfälle mit schwerwiegenden Folgen für die Beteiligten, meistens für die Person die mit dem Trapezhaken am Chickenloop hängt. Gerade im Hochsommer sieht man dabei an den unterschiedlichen Kitestränden, auch in Podersdorf, sehr viele gravierende Fehler die dem geneigten (Hobby)Sportler mit einer durchschnittlichen „Wettquote“ von 1 : 10 einen unbeabsichtigten Abflug über den Strand erst ermöglichen. Leider ist diese Quote oft deutlich höher.

 

Häufig ist dem potentiellen Unfallopfer schon sehr oft vorm Aufsteigen des Kites anzusehen, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Missgeschick bei der entsprechenden Person relativ hoch ist.

Das kann unter anderem an der unsicheren Körperhaltung, dem Blick in die komplett andere Richtung zur Bikini/Speedo-Schönheit, an der äußerst individuellen Barhaltung, der sinnwidrigen Schirm(größen)wahl oder auch einfach an der komplett falschen Einschätzung der Position des Windfensterrandes erkennbar sein.
Fällt euch so etwas auf, macht die Person bitte umgehend und freundlich darauf aufmerksam um einen etwaigen Unfall unter allen Umständen zu vermeiden. Für die unsichere Körperhaltung kann der, oft liebevoll titulierte, „Weekend-Warrior“ nichts, vielleicht ist seine letzte Kitesession auch einfach schon etwas länger her. Es sollte jedem Kitesurfer, egal ob blutiger Anfänger oder Vollprofi, aber immer zu denken geben wenn man sich im Umgang mit dem Kite unsicher fühlt.

Es gibt immer die Option den Schirm bei den aktuell vorherrschenden Verhältnissen vor Ort nicht zu starten und abzuwarten bis die Verhältnisse besser und sicherer sind.

Ist man mit Konzentration bei der Sache sollte die Barhaltung so aussehen, dass die Bar mit frei ausgedrehten Steuerleinen im rechten Winkel zu den Frontleinen am Druckpunkt gehalten wird. Wird die Bar schon vorm Aufsteigen des Kites viel zu locker und lässig mit einer Hand am äußeren Ende der BarStange viel zu stark eingeschlagen, kann eine schnelle Druckpunktverschiebung durch eine plötzlich auftretende stärkere Windböe den Schirm sehr leicht und schnell Richtung Powerzone jagen.

Die Bar mit einer Hand halten und die andere Hand auf das Quickrelease geben, macht unter Umständen Sinn um notfalls schneller auslösen zu können. Dabei sollte die eine Hand möglichst mittig links oder rechts des Depowertampens positioniert werden, um mit geringerem Kraftaufwand die Bar im 90 Grad-Winkel zu den Frontleinen am Druckpunkt zu halten.

 

Weiters ist wichtig, dass der Schirm nicht hinter einer Windabdeckung gestartet wird um einen daraus oft resultierenden unbeabsichtigten Powerzonenstart zu vermeiden. Im Windfenster gibt es immer zwei mögliche Seiten für den Start des Kites zur Auswahl (9 und 15 Uhr Position), was man je nach örtlichen Gegebenheiten, unter Einbezug von Logik, entscheiden sollte.

Soweit mal zum Starten mit Helfer.

Wasserstart ist natürlich simpler...

Relaunch im Wasser ist natürlich “simpler”…

 

Beim Landen mit Assistenz ist wichtig, dass man den Schirm nicht zu schnell Richtung Boden lenkt, sonst zwingt man die andere Person zu einem unfreiwilligem Sprint Richtung Fronttube. Im blödesten Fall erwischt die helfende Person den Schirm gar nicht, oder nur mehr an der Abströmkante was ebenfalls vermieden werden sollte.

Starten und Landen auf festem Untergrund ohne Hilfe:

Das widerspricht dem Grundsatz „nie alleine kitesurfen gehen“. Kommst du trotzdem in diese Situation weil der Wind nicht angesagt war, alle Leute schon am Wasser sind oder bereits im Wirtshaus sitzen, hast du auch die Möglichkeit deinen Schirm selbst zu starten. Das setzt aber schon viel Übung und Erfahrung im Umgang mit dem Kite voraus. Läuft die Sache schief kann dir Niemand helfen. Bei Unsicherheit ist es sicherer abzuwarten, als schlussendlich hilflos im Baum/Zaun/Haus/Auto/etc. zu hängen. Vielleicht kommt in den nächsten Minuten noch ein anderer Kiter an den Strand der dir helfen kann.

Kommt ein startwilliger Passant vorbei der mit der Materie gar nicht vertraut ist, liegt es in deiner vollen Verantwortung den Passanten richtig einzuschätzen und die Person für die Hilfe ordnungsgemäß einzuweisen.

Kommt Niemand und du bist dir aller Risiken bewusst, willst aber unbedingt aufs Wasser, gibt es viele Möglichkeiten den Schirm alleine zu starten. Dazu findet man auch im Internet genug Videos.

Hat man einen Tampen mit einem Schäkel/Karabiner im Boden fixiert, kann man den Chickenloop damit verbinden und den Schirm mit gespannten Leinen an den Windfensterrand stellen. Der Schirm bleibt bei halbwegs konstantem Wind und richtiger Positionierung auf dem Tip stehen während man zum Chickenloop geht und sich einhängt. Danach löst man den Chickenloop von der Fixierung und lenkt den Schirm langsam über den Windfensterrand nach oben. Das funktioniert zum Beispiel auch mit einem Gürtel der an einem Baum festgemacht ist. Stabile Bäume und Masten findet man an den Kitestränden in Breitenbrunn, Neusiedl am See und in der Mitte des Nordstrandes.

Das kein Helfer anwesend ist, gibt es am Neusiedler See während der Hochsaison selten (man ist dann bei Wind so gut wie nie alleine am Wasser/Strand). In der Off-season (Frühjahr, Herbst und Winter) kann das schon vorkommen.

Außerhalb der Badesaison kann man in Podersdorf am Nordstrand viel bequemer, mit mehr Platz und kürzerem Weg zum Auto, kitesurfen gehen. Am Nordstrand, oberhalb vom Leuchtturm, befindet sich in der Mitte auf Höhe der Wasserkante ein Baum. Diese Selbststartmöglichkeit ist am Neusiedler See relativ üblich, da am Strand leider zu wenig Sicherheitsabstand zu Hindernissen nach Lee besteht und der Wind oft zu stark ist um gefahrlos andere abenteuerlichere Selbststarttechniken zu zelebrieren. Andere Optionen um den Kite alleine an Land zu starten sind nicht weniger riskant. Dazu gibt es keine Studien, wahrscheinlich bevorzugen andere Kiter am Neusiedlersee andere Starttechniken, die aber oft auch weniger materialschonend und aufwändiger sind.

 

Kite Landen an Land ohne Hilfe:

Man kommt vom Wasser und möchte den Schirm landen und Niemand ist da – das kann Jedem passieren. Im Sommer ist das allerdings unwahrscheinlicher, es kommt aber manchmal vor. Bei schwächerem Wind und einer ausreichend guten Windabdeckung an einer Stelle am Strand, hat man die Möglichkeit den Kite ins Lee der Windabdeckung zu landen. Diese Technik ist ebenfalls nur bei sicherer Kitekontrolle empfehlenswert. Zuerst den Schirm am Windfensterrand nach unten lenken. Man lenkt den Kite die letzten ~3 Meter vorm Bodenkontakt etwas stärker nach unten damit der Schirm auf die Fronttube fallen kann. Berührt das Tip den Boden während der Schirm langsam auf die Fronttube fällt, nach Möglichkeit an der gegenüberliegenden Frontleine fest anreissen um den Schirm in die richtige Parkposition zu drehen. Ist am Bar-System nur ein hohes Ypsilon angebracht (die Frontleine teilt sich erst weiter oben) gibt es die weniger verlässlichere Möglichkeit dies über die gegenüberliegende Backleine zu machen. Anschließend sofort komplett aushaken, die Bar auf den Boden legen und den Schirm möglichst schnell sichern.

Man kann den Schirm auch mit Befestigung des Chickenloops an einem Hindernis, wie oben beim alleine Starten beschrieben, über den Windfensterrand landen, sich komplett aushaken und zum Schirm laufen um das Material zu sichern.

Bei Unsicherheit gibt es noch immer die Möglichkeit am Wasser das Quickrelease an der Bar zu betätigen und den Kite mithilfe von Self Rescue sicher zu sich zu holen. Ein Self Rescue Seminar in der Schulung bei kitesurfing.at ist äußerst empfehlenswert.

Es besteht auch die Möglichkeit den Kite an Land über das Quickrelease an der Bar auszulösen und sein Material danach zu sichern.

Alle Aktionen an Land sind aber immer mit mehr Risiko verbunden als auf dem Wasser.

Kitesurfen  in Podersdorf am Neusiedlersee

Daher gilt allgemein das Motto „Gemeinsam statt Einsam“ um Risiko-Situationen zu vermeiden. Außerdem macht es viel mehr Spaß einen Tag am Wasser mit Gleichgesinnten und Freunden zu teilen, gemeinsam Spaß zu haben und gar nicht erst in die Situation zu kommen alleine seinen Kite starten oder landen zu müssen.

Viel Spaß und immer schön aufpassen!

 

 

Liebe Grüße,

Endo

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2 Antworten auf Endo`s Tipps und Tricks – Starten und Landen

  1. patrick sagt:

    Gerne können wir Dir auch mal bei uns am Strand eine kleine Einführung bez. Starten/ Landen geben… und natürlich: wie verhalte ich mich als Helferlein! ;)

  2. Christoph M. sagt:

    Danke für diesen Artikel!
    Sehr gut geschrieben und er wird mir in Zukunft mit Sicherheit helfen meinen Kite ingesamt einfach sicherer zu verwenden!

    Vielleicht sieht man sich ja mal im Sommer am See,
    Vielen Dank und Liebe Grüße,
    Christoph M.!