Ja, es kommt (leider?) wirklich auf die Länge an…

Ein magisch frühlingshaftes Habidere vom Neusiedler See,
heute geht’s um unterschiedliche Kite-Leinenlängen.

Leinenlänge In Internetforen ließt man manchmal Spannendes zu diesem Thema, am Strand hört man teilweise mystisch klingende Spekulationen und selbst hat man davon schon eventunnel etwas vernommen, sich damit aber aus diversen Gründen nie wirklich beschäftigt, weil „Wayne interessierts…“.

Gilt natürlich nicht für Alle, aber um hier vielleicht ein wenig Licht ins graue Dunkel zu bringen hab ich eine kurze Zusammenfassung zusammen getextet (Wohl bekomms!):
Zu allererst: Auf die Länge kommt es schon an! (Regel 1) ;-)

Zweitens: Die objektive tatsächliche Fluggeschwindigkeit des Kites ändert sich natürlich nicht durch die Leinenlänge. In der Regel sind Standard-leinen zwischen 20 und 27m lang. Die Leinenlänge der Bar ist in der Regel vom Hersteller passend auf den Schirm abgestimmt. (Die Ausnahme bestätigt allerdings auch die Regel…)

Umso kürzer die Leinen umso kleiner wird das Windfenster (siehe Regel 1), wodurch jede Zone (Windfensterrand, Softzone und Powerzone) in einer kürzeren Zeitspanne vom Kite durchflogen wird. Dadurch liefert der Kite zwar auch Zug, das aber nur für kürzere Zeit. Außerdem wird bei einem kleineren Windfenster der subjektiv empfundene Drehradius vom Schirm größer, da der Kite mit seinem Drehradius einen größeren Teil vom kleineren Windfenster beansprucht.

…Bahnhof…!? – langer Rede wenig Sinn; kleines Windfenster, direkterer Schirm, weniger
Windrange, subjektiv empfunden schnellerer Kite, Schirm fliegt weiter zum Windfensterrand, wodurch man den Schirm bei stärkerem Wind besser ausbremsen kann.

Aber wieso fliegt das Vehikel der Begierde mit kurzen Leinen weiter an den Windfensterrand?!

Weil die 4 oder 5 mal Hausnummer 20m Leinen weniger Luftwiederstand haben, als das identische Setup mit zB 25m Leinen. JA, richtig gelesen: der Luftwiederstand dieser 4 bis 5 (Leinenanzahl) mal 5m, also in Summe 20/25m haben deutlich mehr Luftwiederstand und eine minimale Gravitation (=gegenseitige Maßen-/- oder auch Erd-/-Anziehung genannt) ist auch noch zu berücksichtigen. Gravitation…? Wer mir im echten Leben eine waagrecht gespannte 20-25m Leine ohne Durchhang nach unten in der Mitte der gespannten Leine zeigen kann, hat den Gegenbeweis erfolgreich angetreten.
Umso länger die Leinen, umso größer wird das Windfenster (siehe Regel 1). Hat man also längere Leinen, dreht der Schirm subjektiv empfunden mit einem kleineren Radius, der Schirm fliegt länger durch ein größeres Windfenster und steht tiefer im Windfenster. Ergo hat man mehr Power und im Binnenland erwischt man den ganz schwach stärkeren Wind, weiter oben, auch etwas besser. Noch dazu hat man als Anfänger mit längeren Leinen beim sogenannten „Runterlenken“ mehr Zeit um aufs Board zu kommen. Frei nach dem Sprichwort: „Kein Vorteil ohne seinen Nachteil“ gibt’s
natürlich auch den Nachteil von mehr Auswirkung durch längere Leinen. Z.B. verlenkt man den Kite mit längeren Leinen pendelt man länger und weiter unter den Schirm und legt mehr ungewollten Weg nach Lee, oft auch Richtung Strand, zurück.

Im Binnenland ist bei böigem Wind für den Allrounder, meiner begrenzten Ansicht nach die Leinenlänge mit 23 bis 27m im oberen und mittleren Windbereich optimal. Im unteren Windbereich sind längere Leinen nicht verkehrt für spezielle Bedingungen um zum Bleistift das sagenumwobene „Wunder von Breitenbrunn“ hier auch einmal zu erwähnen.

Bei sehr konstanten Bedingungen am Meer sind, für den durchgerüttelten Binnenlandkiter, kürzere Leinen wie Balsam auf der Seele. Damit hat man bei unhooked Tricks mehr Direktheit, weil u.a. längere Leinen mehr Durchhang+Dehnung haben, als Kürzere. Ein schnelleres intuitives richtig positionieren des Kites geht noch automatischer als bei unkonstanten Bedingungen.

Wenn wir schon bei böigem Wind sind, möchte ich das Gerücht von „kurze Leinen sind besser für böigen Wind“ lüften. Bei böigem Wind fliegt der Kite schneller an den Windfensterrand und fällt auch schneller tiefer ins Windfenster zurück. Dadurch wird ein stärkeres Ruckeln generiert (vergleichbar mit dem Ruckeln, verursacht durch einen leichten Funktionsfehler des Herzschrittmachers, bei einem ~90ig Jährigem ;-).

Da wir wieder langsam am Ende des Spazierganges über unseren Regenbogen angelangt sind, noch etwas zum radikaleren Teil des ursprünglichem Extremsports Kitesurfen…

Höhere Sprünge sind mit etwas längeren 24 – 27m Leinen etwas leichter zu bewerkstelligen. Aufgrund vom größeren Pendeleffekt den man mit längeren Leinen erzielt, kann man höher springen. Das haben wir am Wasser schon öfter ausprobiert und für alle geneigten Kitefetischisten die noch immer zweifeln, möchte ich nur auf Kevin Langeree’s Big Airs in Big Bay Südafrika hinweisen (Bar: Naish 5-line Control System 2014, 24m Leinenlänge).

Für radikale Kiteloops sind kürzere Leinen deshalb angenehmer, weil der Schirm durch das kleinere Windfenster, das er schneller durchfliegt, auch flotter wieder aufsteigt und den Kiter komfortabler auffängt. Noch dazu ist die Landegeschwindigkeit nach Kiteloops mit längeren Leinen umso höher (mehr Pendeleffekt).

Bei sehr hohen Sprüngen mit längeren Leinen ist es aber auch möglich die Landegeschwindigkeit durch kontrolliertes „unter-dem-Schirm-auspendeln“ vor der Landung gezielt zu reduzieren… dass lernen wir Euch aber frühestens nach der zehnten Wassereinheit. ;-)
Wenn ihr bis hierher durchgehalten habt, freut es mich sehr und ich verabschiede mich diesmal mit einem Dreifachen:
hipp hipp hurra!
;-)
Endo

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